1. April: Neuer Standort für das Mercator-Gymnasium

Paukenschlag zu Beginn des Jubiläumsjahres am Mercator-Gymnasium: Die Schule verlässt ihren angestammten Standort an der Musfeldstraße – für viele kommt das überraschend, Fachkreise sprechen schon jetzt von ganz neuer Ära.

„Wir nutzen das Jubiläumsjahr als präzise Standortbestimmung“ heißt es in einer Pressemitteilung der Schule vom 1. April 2026. Konkretisiert wird damit endlich ein vor Jahren geprägtes Bonmot der Stadtverwaltung, man wolle  „das gesamte Repertoire zur Schulraumschaffung“ bedienen. So leistet das Mercator-Gymnasium einen aktiven Beitrag gegen die Knappheit von Schulraum in Duisburg und eröffnet einer modernen Schulentwicklungsplanung neue Handlungsspielräume. Sukzessive Vorbereitungen der letzten Jahre fließen zusammen und werden bei der Gestaltung der Bildungslandschaft systemisch genutzt.

Nach kritischer Durchsicht entsprechender Fachliteratur – zu nennen hierbei insbesondere die Arbeiten Terpoortens, Schulentwicklungsplaner für die Stadt Duisburg („Räumliche Konfiguration der Bildungschancen“, Diss. 2016), und K. Tucholskys „Das Ideal“, 1927 – entschied man sich kurzerhand zu einem unkonventionellen Schritt: Den Umzug des Mercator-Gymnasiums an neue Adresse nunmehr mit mondäner Ausrichtung.

Standortflexibilisierungen sind für Duisburger Bildungsstätten freilich kein neues Thema wie etliche Beispiele auch in jüngerer Vergangenheit zeigen: Erst im Februar dieses Jahres verlagerte sich der Sitz des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung gleichsam über Nacht in die Duisburger Oranienstraße. Auch das befreundete Landfermann-Gymnasium hat im Zuge einer Zügigkeitserweiterung seine Schulkonferenz gleich in mehreren Abstimmungsrunden für zahlreiche neue Schulstandorte ab dem kommenden Schuljahr begeistern können – traditionell ganz am Puls der Zeit, in diesem Fall topographisch orientiert an hochmoderner Grundlage des Corputius-Plans der Stadt Duisburg von 1566.

Das Mercator-Gymnasium wiederum findet als jüngstes der Innenstadtgymnasien wie üblich neue Wege und vergegenwärtigt sich dabei den Umstand, dass die Schule in diesem Jahr nicht nur ihren 125jährigen Bestand feiert sondern auch im 100. Schuljahr den Namen des großen Weltkartographen Gerhard Mercators im Namen tragen darf (die Namensgebung erfolgte auf Betreiben des damaligen Schulleiters Heinrich Creutzberg, dem 1950 August Tewes im Amt folgte, dessen Aufzeichnungen hierüber informieren).

In Abstimmung mit der oberen Schulaufsicht wurde die Geschäftsverteilung innerhalb der erweiterten Schulleitung für das aktuelle Schuljahr dahingehend erweitert, dass neue geeignete Schulstandorte weltweit verpflichtend in Augenschein genommen und erste Verhandlungen mit Behörden vor Ort über einen möglichen Schulwechsel geführt werden sollten: Da die Oberstufenkoordinatorin, Susanne Kelle, mit Bündelungsjahrgang und Abiturprüfung für Externe ausgelastet schien und das Schulleitungsteam sich sonst – ob seines fremdsprachlichen Übergewichtes im Lateinischen – absehbar nur an sehr wenigen Orten weltweit verständlich machen konnte, fiel die Wahl einer geeigneten schulischen Vertretung in aller Welt auf die Mittelstufenkoordinatorin, Christin Young, als Anglistin.

Für sie galt es bei ihrer Recherche zu beachten, dass wesentliche, lieb gewonnene Elemente des Original-Schulstandortes auch andernorts als nicht verhandelbar anzusehen sind (zu nennen sind hier die in weiten Teilen etwas ‚mitgenommen‘ wirkende Fassade, die seit Dezember 2025 komplett ausgefallene Telefonanlage und nicht zuletzt die fehlende Dreifachsporthalle der Schule).

Nach drei Quartalen Dienstreise auf nahezu allen Kontinenten dieser Welt offenbart sich bei den jüngsten Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse durch Kollegin Young nun gleichermaßen stilsichere Eleganz wie ein Gespür für unaufdringliche Prominenz in der Suche nach neuen Schulstandorten (verwiesen sei hier zusätzlich auf die eindrucksvollen Bildimpressionen am Ende dieses Beitrages).

Bei einem Schulentwicklungsvorhaben solchen Ausmaßes muss freilich die Schulgemeinschaft im wahrsten Wortsinne ‚mitgenommen‘ werden. Insbesondere die knapp 800 Schülerinnen und Schüler seien sehr behutsam an ihr neues Habitat heranzuführen betont Schulsozialarbeiter Thorten Allekotte. Aus pädagogischen wie sicherheitstechnischen Überlegungen heraus sei – vergleichbar etwa zur Situation bei einem Feueralarm – auch eine neue Lernlandschaft im Vorfeld wenigstens einmal ordnungsgemäß zu erproben.

Die geschützte Geländeerkundung nimmt das Mercator-Gymnasium genau an dem Tag vor, an dem im Jahr 1901, also vor 125 Jahren, der allererste Schultag der Bildungsanstalt stattfand, am 24. April. An diesem Tag wird sich die Schule, wie zuletzt bekannt wurde, als Gemeinschaft aller Schülerinnen und Schüler, aller Lehrkräfte und Mitarbeitenden aufmachen, um einen kompletten Tag gemeinschaftlich an anderem Orte zu verbringen.

Die Schule bleibt sich und ihrem von Anbeginn ihrer Existenz an betont bodenständigen Anspruch auch hierbei treu: Betont unprätentiös hat man die Prämierenprobe des Ernstfall in der nahegelegenen Stadt Bottrop angesetzt, die wie auch sonst hilfreichen Statuten des Schulministeriums begleiten sie auf ihrem weiterhin zweifellos spannenden Schulweg: Schulische Bildung […] beruflich Reisender […] Schulen der Sekundarstufe I.

Seit dem Jahr 2020 veröffentlicht das Mercator-Gymnasium jeweils zum 1. April erfrischend neue Ansätze für Schulentwicklung und Bildungspolitik. Frühere Beiträge lassen sich hier nachlesen:

1. April 2025 – Mercator-Gymnasium wird Zoo-Schule

1. April 2024 – Mercator-Gymnasium wird „Krücken-Gymnasium“

1. April 2023 – Mercator-Gymnasium ‘out of the box’

1. April 2022 – Neues zur Mercator-Mensa!

1. April 2021 – Mercator-Gymnasium überrascht mit sensationellem Fund

1. April 2020 – Mercator mit neuem Forschungsprojekt

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